Plüschstoffe sind kuschelig, weich und perfekt geeignet für selbst genähte Kuscheltiere, Mäppchen oder Körnerkissen. Doch wenn Du schon einmal Plüschstoff, Teddystoff oder Kunstfell unter der Nähmaschine hattest, weißt Du: Das Nähen kann eine echte Herausforderung sein. So flauschig wie die tollen Fellstoffe aussehen, so sehr können sie auch beim Nähen fusseln. Beim Nähen braucht es Geduld, weil sich der Flor über die Naht legen kann und oft verrutscht alles unter der Maschine.
Keine Bange, das geht nicht nur Dir so. Auch bei mir kam regelmäßig Frust beim Nähen mit Zottelplüsch auf, aber mit der Zeit habe ich mir ein paar Tricks zugelegt, mit denen das Nähen von Teddyplüsch, Kuscheltierstoff oder sogar Kunstfell viel leichter fällt. In diesem Artikel zeige ich Dir meine besten Tipps für den Umgang mit Plüschstoffen.
Und wenn Du lieber zuschaust, wie es in der Praxis funktioniert: Hier findest Du ein ausführliches Video, in dem ich am Beispiel einer Kuschelscholle (genäht als Körnerkissen) alle 10 Tipps Schritt für Schritt erkläre.
Scholle nähen – so klappt's mit Plüsch:
- Im Video zeige ich Dir meine Tipps und Tricks zum Nähen mit Plüsch-Stoff am Besipiel der Kuschelscholle. Die Kniffe sind allgemeingültig und helfen Dir auch, wenn Du andere Plüsch-Projekte wie den Kuschelwal oder den Schnullerdrachen aus Plüsch nähen möchtest.
Nähen mit Plüsch: 10 Tipps gegen Fusseln & Frust
Tipp 1: Nur das Trägergewebe schneiden – nicht den Flor
Plüschstoff besteht aus einem Trägergewebe, in dem längere Fasern eingewebt oder eingestrickt werden. Wenn diese Fasern, oft auch Flor genannt, länger sind, sehen die Kuschelstoffe aus wie Fell.
Würdest Du solche Stoffe mit dem Rollschneider zuschneiden, durchtrennst Du die Härchen mit – das sorgt für kahle Stellen und viele Fusseln. Deshalb nehme ich zum Schneiden von Fellstoffen lieber die Stoffschere und schneide nur das Trägergewebe.
Bevor ich mit dem Zuschneiden starte, streiche ich ein paar Mal mit der Hand über die flauschige Stoffseite, am besten parallel zur Webkante, damit sich die Haare glatt in die Strichrichtung legen. Zum Schneiden verwende ich bei Plüsch immer eine scharfe Stoffschere und schiebe die Scherenspitze zwischen die Härchen und den Trägerstoff. Wenn Du jetzt schneidest, durchtrennst du nur das Trägergewebe, die flauschigen Fasern werden dabei gar nicht durchtrennt. Die Härchen bleiben in der ursprünglichen Länge stehen. Ganz nebenbei fallen so auch weniger Flusen beim Zuschneiden an.
Damit geht es leichter – meine Materialtipps:
Tipp 2: Plüschstoffe mit Jerseynadel nähen
Löcher im Trägermaterial oder gezogene Fäden? Das könnte an der spitzen Nadel liegen! Wenn ich Plüsch- und Teddystoffe nähe, verwende ich lieber eine Jerseynadel (Stretchnadel).
Die abgerundete Spitze schiebt die Maschen des Gewebes sanft zur Seite, anstatt sie zu durchstechen. So bleibt der Stoff stabil, der Flor unversehrt, und die Nähte wirken sauberer. Die Stärke der Nadel passe ich immer der Stoffdicke an. Für die meisten Plüschstoffe reicht eine Nadel in Stärke 80 (auch die Kuschelscholle im Video ist mit einer 80er Nadel genäht), sind die Stoffe dünner oder dicker, kannst Du zwischen Nadeln in Stärke 70 bis 90 wählen).
Damit geht es leichter:
Tipp 3: Markierungen mit Folie übertragen – Naht bleibt sichtbar
Auf flauschigem Stoff wie Kuschelstoff oder Teddyplüsch ist es super schwierig Markierungen anzuzeichnen. Wenn Du aber Projekte wie die Kuschelscholle nähst und die Pünktchen anzeichnen möchtest sind Positionsmarkierungen super wichtig. Ich mache es mir gern leicht und verwende dafür wasserlösliches Stickvlies oder Nähfolie.
Diese transparente Folie kommt eigentlich beim Sticken zum Einsatz. Da wird sie auf den Flausche-Stoff gelegt, um zu verhindern, dass die Naht in den Flor einsinkt und optisch verschwindet. Das Prinzip kannst Du Dir aber auch beim Nähen zunutze machen und sie nebenbei auch zum Übertragen von Markierungen verwenden.
Dafür lege ich sie direkt auf das Schnittteil und pause die Markierungen für die Positionen der Kreise und Stepplinien auf die Folie durch. Anschließend wird die Folie auf den Stoff gesteckt und Du kannst direkt auf der Folie nähen. Nach dem Nähen lässt sie sich dann einfach abreißen oder auswaschen. So bleiben alle Nählinien sichtbar, auch wenn der Flor sie sonst verdecken würde.
Damit geht es leichter – meine Materialtipps:
- Teste vor dem Anzeichnen, welcher Stift geeignet ist! Meine liebste Variante ist ein wasserlöslicher Folienschreiber und im Video siehst Du auch warum 😉
Tipp 4: Ösen-Stich verwenden – Kreise werden perfekt
Eigentlich nähe ich runde Formen wie Augen, Nasen oder kleine Applikationen gern frei Hand mit der Nähmaschine auf. Bei Plüschstoffen ist das schwieriger umzusetzen, weil der Flor sich leicht verschiebt. Deshalb habe ich es sehr gefeiert, als ich entdeckt habe, dass meine Nähmaschine kleine Kreise automatisch nähen kann. Mit dem Ösenstich näht die Maschine einheitliche Kreise, die perfekt sind für wiederkehrende Muster wie die Pünktchen auf der Scholle. Bei meiner Maschine „verstecken“ sich gleich zwei Ösen-Varianten bei den Knopfloch-Stichen. Die einfache Variante näht einen sauberen Kreis im Geradstich, super ist aber auch die dickere Öse. Dabei sticht die Maschine einen Kreis mit einem schmal eingestellten Zick-Zack-Stich. Der Stich formt stabile Ränder, die nicht im Stoff verschwinden, und Deine Kreise wirken gleichmäßig und professionell.
Tipp 5: Mit Applikationsschere schneiden – Flor bleibt unversehrt
Zum Ausschneiden der Pünktchen meiner Scholle kommt Fred zum Einsatz – nein, eigentlich hat die Schere mit dem breiten Schenkel keine Augen. Aber seitdem ihr meine Kinder mit aufgeklebten Bügelaugen ein Gesicht verliehen haben, freue ich mich immer über seinen Blick. Aber auch ohne Augen verhindert die besondere Form der Schere, dass ich beim Abschneiden von Stoff versehentlich in den Flor schneide. So bleiben die Härchen unberührt und Stoffkanten sehen nach dem Schneiden schön sauber aus.
Damit geht es leichter – mein Materialtipp:
Tipp 6: Zusatzteile aufsteppen – fixiert und dreidimensional
Kleine, abstehende Teile wie die Flosse der Scholle hefte ich zunächst auf den Stoff und steppe die Flosse dann direkt auf dem Plüschstoff ab – im Video siehst Du das Prinzip. Auf diese Weise wirken sie dreidimensional, können aber später trotzdem nicht ungewollt zur Seite klappen. Zum Absteppen verwende ich gern den einfachen Geradstich, Du kannst aber auch einen schmalen Zickzack-Stich verwenden.
Tipp 7: Sicherheitsaugen einsetzen – sichtbar trotz Teddyplüsch
Für meine Kuscheltiere und Mäppchen verwende ich am liebsten die Augen-Aufnäher, weil es mit ihnen so schnell und einfach geht, fröhliche Gesichter zu gestalten. Bei Plüschstoffen ist das Fixieren mit dem Bügeleisen aber schwieriger, weil viele nur sehr wenig Hitze vertragen oder gar nicht gebügelt werden können. Für Fellstoffe sind Sicherheitsaugen eine super Alternative (die gibt es sogar als Wackelaugen). Sie wirken oft lebendiger als gestickte Augen und bleiben auch im dichten Flor sichtbar. Und falls die Härchen doch einmal zu lang sein sollten (wie bei der Scholle im Video), kannst Du die Härchen rund um die Augen etwas zurückschneiden oder mit einer kleinen Bürste zur Seite kämmen. So kommen die Augen besser zur Geltung und Dein Kuscheltier bekommt einen freundlichen Ausdruck.
Damit geht es leichter – mein Materialtipp:
Tipp 8: Flor wegstreichen – für unsichtbare Nähte
Plüsch hat die Angewohnheit, dass sich die Härchen in die Naht legen und mitgefasst werden. Das Ergebnis sind dann Nähte, bei denen der Flor plattgedrückt aussieht. Das passiert nicht, wenn Du vor dem Nähen den Flor mit den Fingern oder einer Bürste nach innen streichst (weg von der Stoff- bzw. Schnittkante). Das erfordert zwar etwas Geduld und das Stecken der Teile braucht Zeit, aber beim Nähen geraten viel weniger Härchen in die Naht. Und die, die sich doch verirren, kannst Du nach dem Zusammennähen vorsichtig wieder nach außen zupfen.
Beim Zusammentreffen von zwei Stofffarben wirkt das Nahtbild viel harmonischer und bei Nähten im Teil (wie beim Zusammentreffen von Gesicht und Körper bei der Scholle) verschwindet die Naht optisch und das Projekt sieht perfekt verarbeitet aus.



Tipp 9: SnapPap-Label selbermachen
Normale Stoff- oder weiche Weblabels verschwinden bei Kuschelstoffen oft im flauschigen Flor und sind nach dem Annähen kaum noch zu sehen, vor allem, wenn es kleine Labels sind. SnapPap-Labels aus Papierleder sind die bessere Alternative: Sie liegen flach, fransen nicht und bilden einen schönen Kontrast zu weichem Kuschelstoff. Mit Stempeln und Textilstempelfarbe kannst Du schnell tolle SnapPap-Labels selber machen.
Ich liebe Schriftzüge und habe mit Bügelbildern fix passende „mein lieber Scholli“-Labels für die Kuschelscholle selbst gemacht. Mit solchen DIY-Labels bekommt Dein Projekt ein professionelles Finish und die Highlights sind trotz Flausch gut sichtbar.
Meine Materialien:
Tipp 10: Projekt waschen – entfernt Folienreste und Fussel
Auch wenn ich die Ungeduld verstehe, aber es lohnt sich, Projekte aus Kuschel- und Flauschestoffen nach dem Nähen einmal zu waschen – entweder von Hand oder im Schonprogramm der Waschmaschine. So lösen sich eventuelle Folienreste, überschüssige Fusseln verschwinden, und der Plüsch wird gleich noch weicher und kuscheliger. Besonders bei Körnerkissen oder Kuscheltieren ist das ein guter Abschluss, damit alles frisch und sauber in die Hände der neuen Besitzer kommt.
Mehr Plüschideen
Kuschelwal im Teddy-Look
Du suchst noch mehr plüschige Nähideen? Dann schau Dir unbedingt das Schnittmuster für den Wal an. Wenn Du ihn aus Zottelplüsch oder Teddyflausch nähst, wirst Du den flauschigen Kerl nicht mehr hergeben wollen!
Plüschstoff und Teddystoff nähen – Tipps im Überblick
Plüschstoffe sind zwar etwas eigenwillig, doch mit den passenden Tricks lassen sie sich wunderbar verarbeiten. Ob Kuschelstoff, Teddyplüsch oder Kuscheltierstoff – wenn Du beim Zuschneiden, Nähen und Versäubern ein paar Kniffe beachtest, gelingen Dir saubere und langlebige Ergebnisse.
Mein Tipp: Probiere die Ideen gleich bei Deinem nächsten Projekt aus – zum Beispiel bei der Scholle aus Kuschelstoff. Sie ist nicht nur ein tolles Einsteigerprojekt, sondern auch perfekt geeignet, um alle Kniffe vom Zuschneiden bis zum fertigen Detail zu üben.
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Wer weiß, vielleicht wird aus dem „fusseligen Problemstoff“ sogar Dein neuer Lieblingsstoff – und Nähen mit Plüsch macht plötzlich richtig Freude!
Von Herzen viel Freude beim Ausprobieren wünscht
Franziska
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